Industrie 4.0: Wie Fernwartung sicher wird

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Industrie 4.0 bietet enormes Effizienzpotenzial für Industrie und Wirtschaft. Doch gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) ist die Einstiegshürde oft noch sehr hoch, denn die bisher in den Firmen eingesetzte IT ist vielfach noch nicht auf die spezifischen Sicherheitsanforderungen der vernetzten Produktion ausgerichtet. Abhilfe verspricht IUNO, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Nationale Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0. Dabei werden Lösungen für typische Fragestellungen der automatisierten Produktion entwickelt. Das Referenzprojekt stellt sicher, dass die getesteten und übertragbaren IT-Sicherheitslösungen später von KMUs und Großunternehmen gleichermaßen erfolgreich als Blaupause für sichere Prozesse in der Industrie 4.0 herangezogen werden können.

Fernwartung von Maschinen
Ein konkreter Anwendungsfall ist die Fernwartung von Produktionsanlagen, einem schon heute in der Industrie gängigen Verfahren. Aufgrund fehlender standardisierter Prozesse wird die Gewährsleitung der IT-Sicherheit immer komplexer. Um mögliche Lücken zu verhindern, arbeiten die IUNO-Partner an Standards für einen sicheren Zugang zu Anlagen, Geräten und Daten, die unabhängig vom jeweiligen Standort oder Netzwerk der Maschinen sind.

Neue Workshop-Reihe zum direkten Austausch mit KMUs

Um die Anforderungen und Erfahrungen aus der industriellen Praxis bestmöglich bei der Entwicklung berücksichtigen zu können, hat IUNO jetzt eine Workshop-Reihe zum direkten Austausch mit KMUs gestartet. Der Startschuss fiel am 18. Oktober 2016 bei Bosch am Standort Renningen nahe Stuttgart, wo rund 30 Teilnehmer aus der Industrie ihre spezifischen Anforderungen an die IT-Sicherheit im Bereich der Fernwartung definierten. Die größten Herausforderungen liegen demnach in der Vertraulichkeit und der Integrität von Daten sowie in einer sicheren Authentifizierung und Vernetzung von Mensch und Maschine.

Erste sichere Möglichkeiten einer verschlüsselten Kommunikation vorgestellt
Das IUNO-Projekt entwickelt eine cloud-basierte Fernwartung von industriellen Produktionsanlagen, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Fertigung effizienter und flexibler zu gestalten. Mittels einer Web-Plattform können zukünftig Wartungsarbeiten schnell und sicher durchgeführt, Maschinenausfälle verhindert und damit Kosten eingespart werden. Die Anwendung wird die verschlüsselte Kommunikation zwischen den Teilnehmern übernehmen, die Zertifikatsverwaltung steuern und alle Verbindungen zwischen Maschinenbetreibern und Wartungsunternehmen organisieren. Dabei wird auf eine möglichst hohe Kompatibilität und Herstellerunabhängigkeit geachtet, damit sowohl Großunternehmen als auch KMUs eine sichere Fernwartung bei sich implementieren können. Im Renninger Forschungslabor von Bosch wurde den Workshop-Teilnehmern nun eine erste Hardware-Version der Anwendung präsentiert. Dabei handelt es sich um einen Versuchsaufbau, mit dem eine verschlüsselte Verbindung zwischen Steuerung und Fernwartungstool aufgebaut wird. Im nächsten Schritt wird eine Authentifizierungs-App für Fernwartungs-Techniker entwickelt, bevor die Web- Plattform an den Start geht.

Nach der Präsentation des aktuellen Entwicklungsstandes erarbeiteten die Workshop-Teilnehmer die spezifischen Herausforderungen für eine erfolgreiche Integration der industriellen Fernwartung in den Arbeitsalltag der KMUs: Aufbau der Public Key Infrastruktur (PKI) für eine sichere rechnergestützte Kommunikation in der Industrie, Service-Prozesse in der Fernwartung, sicherer Zugriff auf die Maschinen und Wünsche an die zentrale Plattform, von der das Routing, das Ticketing sowie die Benutzer- und Zertifikatsverwaltung gesteuert werden.

IUNO-Projektpartner Bosch zeigte sich mit der Veranstaltung zufrieden. „Wir haben von den Unternehmen sehr klare Antworten bekommen, vor welchen Problemen und Herausforderungen sie bei einer Umstellung auf die vernetzte Produktion stehen. Mit dem Workshop möchten wir besonders den KMUs den Einstieg in die Industrie 4.0 erleichtern und das Vertrauen in die großen Chancen des digitalen Wandels stärken“, erklärt Alexander Borisov, Forscher Cryptography and IT-Securtiy in Industry 4.0, von Bosch in Renningen.

Fortsetzung der Veranstaltungsreihe
Weitere Workshops werden quartalsweise bis Mitte 2018 bei IUNO-Projektpartnern stattfinden. Die Schwerpunktthemen sind „Sichere Prozesse“, „Sichere Daten“, „Sichere Dienste“ und „Sichere Vernetzung“ .

Über IUNO
IUNO, das Nationale Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0, vereint 21 Partner aus Industrie und Forschung und führt die wesentlichen Akteure im Themenfeld zusammen: Großunternehmen, Mittelständler, Anwenderunternehmen, spezialisierte IT-Sicherheitsunternehmen und führende Forschungseinrichtungen. Im Rahmen des Projekts werden Bedrohungen sowie Risiken für die intelligente Fabrik identifiziert und Schutzmaßnahmen entwickelt, die exemplarisch an vier Demonstratoren umgesetzt werden. Als Ergebnis werden möglichst allgemein verwendbare Lösungen für Herausforderungen der IT-Sicherheit im industriellen Anwendungsfeld zur Verfügung gestellt, die auf andere Unternehmen übertragbar sind und als Blaupausen für die sichere Industrie 4.0 herangezogen werden können. Das Referenzprojekt wird mit einem Gesamtvolumen von 33 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und läuft bis Juni 2018.

Der VDMA ist im Beirat des Projekts vertreten und unterstützt den Transfer der Ergebnisse in den Maschinen- und Anlagenbau.

Partner von IUNO sind: accessec GmbH, Bosch Rexroth AG, Bosch Software Innovations GmbH, DFKI GmbH, Duravit AG, ESCRYPT GmbH, Fraunhofer AISEC, Fraunhofer IESE, Fraunhofer SIT, HOMAG, Infineon Technologies AG, Nobilia Werke, Phoenix Contact Electronics GmbH, Robert Bosch GmbH, Siemens AG, TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG, TU Darmstadt, TU München, Universität Kassel, Volkswagen AG, WIBUSYSTEMS AG. Projektkoordinator ist HOMAG.

Weitere Informationen: www.iuno-projekt.de

Bildquelle : Bosch

Zimmermann, Steffen
Zimmermann, Steffen