Ruhestand heißt noch lange nicht Ruhestand

VDMA e.V.

Nach fast zwei Jahrzehnten verlässt Ingeborg Eisenberger den Fachverband Allgemeine Luftreinhaltung des VDMA. Wir haben mit Ihr über Ihre Zeit im Verband und Ihre zukünftigen Pläne gesprochen.

Frau Eisenberger, Sie arbeiten seit 19 Jahren im VDMA. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie annähernd zwei Jahrzehnte für den Verband tätig sein werden?

Um ehrlich zu sein ja. Damals war ich bereits 46 Jahre alt, da gehörte man zu dieser Zeit schon fast zum alten Eisen – so, als ob jemand heute mit 58 den Job wechseln würde. Es gab nicht die Rente mit 67, sondern das Modell der Altersteilzeit. Bereits ab einem Alter von 55 waren hierbei verschiedene Modelle möglich. Daher war ich mit meinen 46 Jahren fast schon „schwer vermittelbar“. Mir war schon klar, dass dies voraussichtlich meine letzte Anstellung sein würde.

 

Sie sind die Assistentin der Geschäftsführung im Fachverband Allgemeine Lufttechnik. War das ihr Einstieg in den Verband oder waren Sie auch in anderen Bereichen tätig?

In der Allgemeinen Lufttechnik war ich immer, allerdings die ersten drei Jahre in der Oberflächentechnik, bei Herrn Dr. Schräder. Er leitete damals die Fachabteilung. Es war aber schon ziemlich sicher, dass ich als Assistenz bei ihm bleiben würde, wenn er Geschäftsführer werden sollte. Dr. Schräder war zu dem Zeitpunkt bereits stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik. Etwas anderes wäre für mich auch nicht in Frage gekommen. Bereits vorher hatte ich als Geschäftsführungsassistenz gearbeitet und es war schon bei der Einstellung klar, dass es weitergehen würde. Vor dem Wechsel in die Geschäftsführungsassistenz hatte ich allerdings ein sehr langes Gespräch mit Herrn Dr. Schräder, in welchem er mich fragte, ob es mir klar sei, dass die zukünftige Tätigkeit eine völlig andere sei als in einer Fachabteilung. Ich konnte ihn da beruhigen und erklärte ihm, dass ich die Arbeit für mich schon interessant gestalten würde. Dieses Versprechen habe ich auch gehalten.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Arbeitstag?

Ich hatte das Gefühl in eine sehr strukturierte Organisation zu kommen. Die KollegInnen waren sehr nett und offen. Ich war sicher, eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Verbandsarbeit kannte ich ja schon von der anderen Seite, da mein vorheriger Chef im Vorstand des VDA war. Bereits am ersten Tag war mir klar, dass ich am Knotenpunkt eines sehr großen Netzwerkes arbeiten würde.

Was ich auch noch weiß ist, dass ich ein olivgrünes Kostüm und ein beigefarbenes Shirt anhatte und, dass mein Büro mit roten Möbeln ausgestattet war. Meine Lieblingsfarbe ist rot und die Container waren in Rot gehalten. Das fand ich schon mal ganz gut. Einen der Container habe ich noch heute. Und auch meinen roten Bürostuhl besitze ich seit nun fast 15 Jahren. Allerdings wurde er zwischenzeitlich neu gepolstert und zweimal neu bezogen. Praktizierte Nachhaltigkeit.

 

Wissen Sie noch, mit welchem Gefühl Sie an diesem ersten Arbeitstag nach Hause gegangen sind?

Es war ein gutes Gefühl, ja, ein richtiges Gefühl. Das Gefühl, dass es passt.  

 

Was haben Sie gemacht, bevor Sie zum VDMA kamen?

Bevor ich zum VDMA kam, habe ich so einiges gemacht. Beispielsweise war ich zuvor in einer Firma, die LKW-Aufbauten fertigte – das war die Firma Groß Aluminium. Dort arbeitete ich drei Jahre als Geschäftsführungsassistenz. Davor war ich sieben Jahre lang in einer psychologischen Praxis beschäftigt. Ich habe die Praxis mit aufgebaut, eingerichtet und vieles mehr. Parallel hierzu war ich acht Jahre lang in der Erwachsenenbildung tätig. Das war durch meine Teilzeitstelle in der Praxis gut möglich.

Und ich war auch lange politisch aktiv – 10 Jahre als Fraktionsvorsitzende und zwei Jahre im Gemeindevorstand.

 

Sie haben also ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche in Ihrem Leben kennengelernt?

Ja, und das war sehr interessant. Unter anderem habe ich an einem Projekt unter der Leitung der Frauenbeauftragten des Mainz-Kinzig-Kreises, der Frauenbeauftragten des Arbeitsamtes Hanau und des Deutschen Hausfrauenbundes mitgewirkt. Es ging darum, langzeitarbeitslose Frauen wieder in das Berufsleben einzugliedern, durch eine Weiterbildung zur Hauswirtschafterin. Das war schon eine Herausforderung, diese Frauen zu motivieren. Immerhin haben es acht von den anfänglich fünfzehn Frauen geschafft, über 2,5 Jahre durchzuhalten und die Prüfung zu bestehen. Und teilweise kamen die Frauen im Anschluss in sehr guten Haushalten unter, beispielsweise bei Andreas von Schoeler, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Frankfurt am Main.

 

Was war Ihr größter persönlicher Erfolg im Berufsleben.

Für mich ist der größte Erfolg der, den ich gerade habe. Denn wie will man Erfolge miteinander vergleichen? Ein Erfolg fällt mir jedoch spontan ein. Es gab im Fachverband eine „totgesagte“ Veranstaltung, an deren Erfolg niemand glaubte. Aber ich dachte, dass das nicht sein kann, denn für mich gilt „geht nicht, gibt’s nicht“. Bei einer solchen Herausforderung fängt mein Ehrgeiz im Grund genommen erst an. Ich habe mich dann dieser Veranstaltung angenommen - mit Erfolg. Dieses Event ist ein richtiger Meilenstein geworden. Zum Programm gehörte unter anderem ein Empfang auf der Börsengalerie, die Besichtigung der Börse und ein gemeinsames Abendessen. Und gearbeitet wurde natürlich auch.

 

Ihre Arbeit im VDMA bringt viele persönliche Kontakte mit sich. Gibt es denn eine oder mehrere Begegnungen, die wirklich beeindruckend waren oder die vielleicht sogar nachhaltig Einfluss auf Ihre Arbeit hatten?

Am meisten beeindruckt haben mich zwei meiner Auszubildenden. Eine der beiden war erst 16 Jahre alt und kam für ihre Ausbildung im VDMA wirklich mutterseelenalleine von Ostdeutschland nach Frankfurt. Ihre Mutter war krank und ist auch leider im Ausbildungszeitraum verstorben. Neben der Ausbildung und den privaten Belastungen hat diese junge Frau gleichzeitig die Abendschule besucht, um das Abitur nachzuholen. Sie hat sich mit einer Zielgerichtetheit durch diese Ausbildung gebissen – das war unglaublich. Diese Energie habe ich schon sehr bewundert.

Und die andere Auszubildende kam aus einfachen Verhältnissen. Sie hatte, glaube ich, fünf oder sechs weitere Geschwister. Aber sie liebte die Sprache und hatte Ziele. Für diese junge Frau war sehr viel im Berufsleben und im Büroalltag neu. Aber sie hatte einen solchen inneren Antrieb und ließ sich auch durch nichts abschrecken. Sämtliches Wissen, das sie bekommen konnte, sog sie regelrecht auf. Und zur Weihnachtsfeier der Allgemeinen Lufttechnik schrieb sie sogar ein Weihnachtsgedicht und trug dieses sehr, sehr schön vor. So etwas beeindruckt mich, wenn junge Leute ihr Leben so in die Hand nehmen.

Ja, diese Begegnungen waren wirklich sehr beeindruckend und berühren mich auch heute noch sehr.  

 

Sie werden im Juli den VDMA verlassen und in Ruhestand gehen. So ganz jedoch auch wiederum nicht. Inwiefern bleiben sie dem Verband erhalten?

Ich bleibe dem Verband im Rahmen des Inspire-Projektes erhalten. Im weitesten Sinne geht es, was meine Mitarbeit betrifft, um Anforderungsmanagement und die Frage, was wir für die interne sowie externe Kommunikation benötigen. Und weiterhin um die Frage, welche Anforderungen unsere Mitglieder an uns stellen und wie diese bestmöglich kanalisiert und erfüllt werden können. Dann wird es Software geben, die getestet und an die Erfordernisse des VDMA angepasst werden muss. Auch hierbei werde ich meine Finger im Spiel haben. Geplant ist, dass ich maximal ein bis zwei Tage pro Woche im VDMA oder auch in Homeoffice arbeite.

Ich finde es befriedigend, dass ich meine jahrelange Erfahrung in dieses Projekt einbringen kann. Durch den Arbeitskreis der Geschäftsführungsassistenzen habe ich eine tiefe Verwurzelung und eine gute Vernetzung im VDMA. Das bedeutet, dass ich weiß, wen ich ansprechen kann, um Input zu bekommen. Auch ein spontanes Brainstorming mit beispielsweise drei bis vier weiteren KollegInnen ist dadurch ohne weiteres möglich. Ich denke, dass wir hierdurch schnell an wichtige Informationen kommen, die andere gar nicht so fix zusammentragen könnten. Das Problem ist ja, dass den Kolleginnen oftmals die Zeit fehlt, sich intensiv um das Inspire-Projekt zu kümmern. Und ich habe die Zeit - das ist doch super. Ich bin überzeugt, dass es für beide Seiten eine Win-Win-Situation ist. Für mich ist es ein „sanfter“ Ausstieg und der VDMA profitiert von meiner langjährigen Erfahrung. Und es ist im Grunde genommen auch eine Wertschätzung meines Wissens durch den VDMA. Soweit ich weiß, gab es ein solches Modell der Zusammenarbeit bisher noch nicht und nehme an, dass das eine Art Pilotprojekt ist.

 

Ihre bisherige Stelle wird dann von Frau Hofmann besetzt. Welchen Tipp geben Sie ihr hierzu mit auf den Weg?

Ganz, ganz wichtig finde ich, dass Frau Hofmann genau so bleibt wie sie ist. Denn sie hat Qualitäten, die einfach nur sie mitbringt. Wenn sie sich in diesem Punkt verbiegen würde oder versuchen würde eine andere Person zu kopieren, fände ich das einfach nicht gut! Und sie ist eine gute Netzwerkerin - intern sowie extern – und das qualifiziert sie unter anderem für diese Position.

Frau Hofmann sollte darauf achten, dass sie bei neuen Entwicklungen im Hause von Anfang an dabei ist. Das ist wichtig, um die Bedürfnisse, die sie oder auch die anderen Geschäftsführungsassistentinnen haben, mit einzubringen.

In den Kreis der Geschäftsführungsassistentinnen ist Frau Hofmann im Übrigen schon gut integriert und auch sehr akzeptiert bei den älteren Kolleginnen. Die freuen sich richtig, dass sie jetzt so eine junge und dynamische Kollegin mit an Bord haben.

 

Was werden Sie am meisten am Fachverband Allgemeine Lufttechnik vermissen?

Was ich wirklich sehr vermissen werde, sind die Kontakte zu den GeschäftsführerInnen unserer Mitgliedsunternehmen. Das ist mir wichtig, da diese Menschen Großes leisten. Sie sind für mich ein starker Motor, der Deutschland mit am Laufen hält. Und was will man mehr, als mit solchen Menschen Kontakt zu haben? Mir persönlich sind diese Kontakte mehr wert als jedes Backstage-Event mit irgendeinem Schauspieler. Für mich sind die Treffen mit unseren Geschäftsführern die Backstage-Events meines Lebens.

 

Sie haben zahlreiche Interessen, für die Sie zukünftig mehr Zeit haben werden. Welche Hobbies sind das konkret?

Ein ganz großes Hobby von mir ist Theater, in all seinen Facetten. Hierzu zählen sowohl Schauspielen und Regieführen, aber auch die Veranstaltung von Workshops sowie der Theaterbesuch selbst. Bereits Ende August werde ich wieder einen Workshop für unsere Theatergruppe in Gernsheim leiten. Und ich werde 2021 auch meine Theaterpädagogen-Ausbildung abschließen.

Unsere Ausbildungsgruppe hat eine große Altersbandbreite die bei 26-27 Jahren beginnt. Und auch Leute über 50 Jahre sind dabei, bis hin zu mir. Ich bin die Älteste. Diese Altersstruktur ist wirklich spannend und führt dazu, dass Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Das gemeinsame Entwickeln von Ideen finde ich immer wieder faszinierend und es ist wunderbar, von diesen jungen beziehungsweise jüngeren Leuten so akzeptiert zu sein, wie ich es bin. Das ist einfach toll!

Ein weiteres Hobby ist das Tanzen. Es macht mir viel Spaß und ich finde es sehr wichtig, ein gemeinsames Hobby mit dem Partner zu haben. Mein Mann ist beim Tanzen sehr ehrgeizig. Er möchte unbedingt Turniere tanzen, wobei er es wirklich etwas schwerer hat als ich und auc einfach mehr trainieren muss.

Zeit mit meiner Enkelin zu verbringen steht ganz oben bei meinen Prioritäten. Sie ist auf alle Fälle mehr als Interesse oder Hobby.

Und ein weiterer wichtiger Punkt in meinem Leben ist unsere Großfamilie. Neben meinen drei Söhnen hat auch mein Mann fünf Kinder mit in die Ehe gebracht. Da ist häufig was los bei uns. Wenn wir beispielsweise gemeinsam Weihnachten feiern, kommen mindestens zwanzig Leute zusammen.

 

Gibt es ein Motto in Ihrem Leben?

Ja. „Es passiert nichts, es sei denn Du tust es“, lautet mein Motto. Und es ist ja wirklich so. Mein Sohn hat sich im Alter von etwa 15 Jahren einmal beklagt, dass es in Kilianstädten, wo wir damals lebten, so langweilig sei. Ich habe ihm dann geraten, etwas zu unternehmen, beziehungsweise sich Kumpels zu suchen, die etwas mit ihm unternehmen - sich etwas zu organisieren und einfach etwas zu tun. Man kann nicht erwarten, dass andere etwas für einen selbst organisieren. Mein Mann ist in dieser Hinsicht ähnlich gestrickt wie ich. Es gibt beispielsweise einen Verteiler für Tanzevents, über den wir uns organisieren. Da kommt dann immer eine schöne Truppe in den unterschiedlichsten Konstellationen zusammen.

 

Gibt es denn auch eine Eigenart an Ihnen und wenn ja, verraten Sie uns diese?

Ja, natürlich. Die Latte Macchiato am Nachmittag. Oder dass ich meine Ratschläge oft nicht zurückhalten kann. Und es gibt noch eine Eigenart, die mich in einem Kriminalfall sicherlich verraten würde, so wie die berühmte Kippe am Tatort. Ich falte alles Rechteckige zu kleinen Origami-Schiffchen zusammen. Und es spielt dabei keine Rolle, ob es sich dabei um ein Bonbonpapier, eine Keksverpackung oder etwas anderes handelt. Das hat mit meinen Kindern angefangen, als Beschäftigung für unterwegs. Wenn es den Jungs langweilig war, haben wir Schiffchen und ganze Flotten gebastelt, egal ob im Zug oder sonst wo. Und das ist mir geblieben, sei es auf Messen oder wo auch immer sonst. Eine gute Beschäftigung für die Hände.

 

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?

Da gibt es mehrere Träume. Einer davon ist, mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking zu fahren. Ich hoffe, dass mein mittlerer Sohn sein Versprechen wahr macht und wirklich mitkommt.

Der zweite Traum ist es, einen Teil vom Jakobsweg zu gehen. Da muss dann der Jüngste mit.

 

Das sind durchaus realistische und erreichbare Träume.

Ich bin halt nun mal Realistin. Wovon soll ich träumen?

 

Es ist Ihnen also wichtig, Ziele so zu stecken, dass sie auch erreichbar sind?

Auf diese Frage muss ich meinen mittleren Sohn zitieren. Alle meine Söhne haben schlaue Sätze drauf und der Mittlere sagt immer: „Mach die Dinge dann, wenn du Sie machen kannst. Tanze jetzt und lass dich später im Rollstuhl durchs Museum schieben.“

Ja, und deswegen tanze ich auch jetzt sehr intensiv. Und ich hoffe, dass mich das lange körperlich fit und geistig beweglich hält.