Industrie 4.0 trifft Lean

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Die Verschmelzung von Industrie 4.0 mit Lean Management bietet großes Potenzial, Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln. Der VDMA-Leitfaden soll Firmen dabei unterstützen.

Viele Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau haben die Ideen und Methoden des Lean Managements adaptiert. Mensch, Technik und Organisation werden ganzheitlich betrachtet, um sich kontinuierlich zu verbessern und den Nutzen für das Unternehmen und seine Kunden zu steigern. Diese grundlegenden und bewährten Ansätze gelten auch weiter in einer digitalisierten Welt. Bekannte Lean-Elemente müssen jedoch neu gedacht und Ansätze der Digitalisierung auf ihren Beitrag zur Wertschöpfung geprüft werden. Das Zielfoto der Unternehmen bleibt das gleiche: hohe Wertschöpfung, hohe Qualität, transparente Abläufe sowie motivierte Mitarbeiter.

Industrie 4.0 eröffnet durch die Verknüpfung mit Lean neue Möglichkeiten für Verbesserungen in der Produktion. Vor allem aber vermag diese Verknüpfung Potenziale an den Schnittstellen zu Vertrieb, Engineering, Einkauf und Logistik zu heben. Unternehmen können sich so mit eigener Kraft auf eine neue Stufe der Produktivität heben.

Neuer VDMA-Leitfaden

Der VDMA-Leitfaden „Industrie 4.0 trifft Lean“ leistet Pionierarbeit. Er versteht sich als Hilfsmittel, Abläufe durch klassische Lean-Gedanken und digitale Vernetzung effektiv und effizient zu gestalten und somit am Produktionsstandort Deutschland wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Leitfaden ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit des VDMA-Arbeitskreises „Industrie 4.0 trifft Lean“ – dem 30 Unternehmensvertreter angehören – und des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt.

Ziel dieses Leitfadens ist es aufzuzeigen, wie sich der Lean-Ansatz mit den neuen Möglichkeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 systematisch verbinden lässt. Der Leitfaden beleuchtet zunächst die Prinzipien, Grundlagen und das Zusammenspiel der wichtigsten Elemente der klassischen schlanken Produktion. Eine Gegenüberstellung von Lean und Industrie 4.0 zeigt, dass es Gemeinsamkeiten in den Zielen, aber Unterschiede in den Ansätzen gibt. Generell gilt: Im Zentrum eines schlanken Systems steht der Kreislauf aus Stabilisierung, Standardisierung, dem Erkennen von Abweichungen und der mitarbeitergetriebenen Problemlösung. Eine Digitalisierung im Einklang mit Lean sollte jeden Schritt dieses Kreislaufs unterstützen, darf ihn aber nicht durchbrechen.

Chancen und Grenzen

Einen Schwerpunkt legt der Leitfaden auf die Darstellung aktueller Grenzen des Lean-Ansatzes und auf die Chancen zur Aufwertung und Ausweitung von Lean durch Digitalisierungstechnologien, insbesondere im Projektgeschäft des Maschinen- und Anlagenbaus. Denn der gezielte Einsatz digitaler Lösungen ermöglicht ein Ausweiten von Standardarbeit, erleichtert das Erkennen von Abweichungen und kann die Problemlösung beschleunigen.


Der Blick auf Verschwendung im Umgang mit Informationen

Damit Lean und Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten können, wird im Leitfaden der Verschwendungsbegriff erweitert – denn nicht nur in der Wertschöpfung, sondern auch im Umgang mit Information selbst treten Verschwendungen auf. Zudem wird der Information an sich, welche während des Wertschöpfungsprozesses anfällt, ein eigener Wert beigemessen – sei es für die Problemlösung, das Verbessern des Produktflusses oder die Erweiterung des Leistungsangebots.

Beispiel Durchlaufzeit von Aufträgen

Der Weg zum schlanken, digitalen Wertstrom

Darüber hinaus erweitert der Leitfaden den Fokus der Betrachtung von der Produktion auf den gesamten Auftragsabwicklungsprozess, denn große Zeitanteile gehen in vor- und nachgelagerten Prozessen verloren. Diese Gedanken fließen in eine Erweiterung der bekannten Wertstromdesign-Methode ein, die anhand eines Praxisbeispiels verdeutlicht wird. Eine signifikante Reduzierung von Arbeits- und Durchlaufzeit sowie von Verschwendungen im Umgang mit Information ist die Folge.

Best Practice aus der Industrie

Abschließend zeigen vier Best Practice Beispiele aus Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, wie eine gelungene Verbindung von Lean und Industrie 4.0 aussehen kann.


Printausgabe oder PDF-Dokument

Die Printausgabe des Leitfadens erhalten Sie bei Anita Siegenbruk, anita.siegenbruk@vdma.org, das PDF-Dokument ist auf dieser Seite als Download verfügbar.

 

Infotag am 8. Juni 2018 in Frankfurt

Auf einem Informationstag am 8. Juni 2018 in Frankfurt am Main wird der neue VDMA-Leitfaden "Industrie 4.0 trifft Lean" vorgestellt.
Weitere Informationen erhalten Sie hier

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