Investitionen in Industrie 4.0

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Mit dem modellbasierten Online-Tool „Investitionsrechner 4.0“ und dem dazugehörigen Leitfaden setzt der VDMA neue Maßstäbe bei der wirtschaftlichen Bewertung von Digitalisierungsprojekten.

Investitionen in die Digitalisierung verfolgen das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten und weiter auszubauen. Mit der Anzahl der Digitalisierungsprojekte wächst auch der Kapitalbedarf zur Finanzierung dieser Vorhaben. Neben den anspruchsvollen technischen Aufgaben, die Unternehmen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten lösen müssen, stehen sie vor der Herausforderung, die Wirtschaftlichkeit der Vorhaben auf Basis einer validen Kosten-­Nutzen­-Berechnung nachzuweisen. Dies gilt selbst dann, wenn diese Digitalisierungsprojekte aus dem Eigenkapital weitestgehend finanziert sind – was in Unternehmen derzeit durchaus vorkommt, wie mehrere Studien zeigen.

Quelle: Leitfaden „Investitionsrechnung für Digitalisierungsprojekte und Industrie 4.0 Vorhaben“

 

Da die Finanzierung durch Banken weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird, kommt der wirtschaftlichen Bewertung eine zentrale Rolle zu. Doch auch die Banken stehen dabei vor einer Herausforderung: Im herkömmlichen Sinn kann physisches Anlagevermögen und Umlaufvermögen zu einer Besicherung von Krediten heran­ gezogen werden. Geistiges Eigentum bzw. Intellectual Property und Daten hingegen stellen zurzeit noch keinen materiellen Wert dar, den Kreditinstitute für das Besicherungsvolumen berücksichtigen.

 

Bewertung anhand von unternehmensspezifischen Industrie-4.0-Reifegraden

Unternehmen sind also gefragt, sowohl intern – zur Investitionsentscheidung – als auch extern, z. B. gegenüber Geldgebern, den Nutzen einer Investition in Industrie 4.0 messbar zu machen. Um sie dabei zu unterstützen, hat der VDMA mit Industriepartnern und Experten aus dem Kapitalmarkt im Arbeitskreis „Investitionsrechnung 4.0“ ein Modell aufgebaut, das zentrale Aussagen über Amortisationsdauern, Kosten und Maximal­ nutzen einzelner Industrie­-4.0­-Projekte als Ergebnis liefert. Dazu wurden auf Basis von umfragegestützten Kennzahlen und Charakteristika zwei für den Maschinenbau charakteristische Muster­ bzw. Modellunternehmen entwickelt. Bei den Modellunternehmen handelt es sich um einen typischen mittelständischen Serienhersteller und um ein typisches Unternehmen mit Projektgeschäft.

 

Quelle: Leitfaden „Investitionsrechnung für Digitalisierungsprojekte und Industrie 4.0 Vorhaben“

 

Industrielle Wertschöpfungsketten sind gemäß dem vom VDMA entwickelten Industrie­-4.0-Baukasten in Prozesse – z. B. Auftragsanbahnung oder Produktion – und diese jeweils wieder in dafür benötigte digitale Fähigkeiten – z. B. Datenverarbeitung und Mensch­Maschine­Kommunikation im Bereich Produktion – unterteilt. In dieser Struktur wird für jeden Prozess und jede Fähigkeit ein Industrie-­4.0­-Reifegrad – von 1 (gering) bis 5 (sehr hoch) – abgebildet und beschrieben. Der erste Schritt der Bewertung besteht in der Ermittlung des eigenen Ist­Reifegrads (Selbsteinschätzung); daran schließt sich die Angabe des Soll­Reifegrads (Wo will ich hin?) an. Dies ermöglicht es bei der Kosten­ und Nutzenberechnung nicht nur allgemeingültige Annahmen zu treffen, sondern auch die unternehmensindividuelle Ausgangssituation zu berücksichtigen. Um die Anwender bei der Einschätzung der erforderlichen einmaligen und jährlichen Investitionssumme ihrer Projekte zu unterstützen, sind in einer Datenbank Erfahrungswerte aus einer Vielzahl tatsächlicher Projekte aus der Industrie hinterlegt. Das Ergebnis der Analyse besteht in Aussagen zu Amortisationsdauer, Kostenschätzung und Maximalnutzen für eines oder mehrere Industrie-4.0-­Projekte. Zudem ermöglichen anschauliche Grafiken die Visualisierung des geplanten Digitalisierungsprojekts oder einen Vergleich zwischen mehreren Projekten.

 

Leitfaden erläutert Vorgehensweise und Details

Das Bewertungsmodell sowie die Vorgehensweise zur Bewertung des digitalen Reifegrads im Unternehmen sind in einem Leitfaden beschrieben und im Online­Tool als Hilfestellung hinterlegt.

Zusammen mit dem Bewertungstool ist es die praxisorientierteste derzeit auf dem Markt verfügbare Indikation, um die Wirtschaftlichkeit von Digitalisierungsprojekten ermitteln zu können.

Mit ihren Zugangsdaten zu myVDMA können VDMA-Mitglieder auf Tool und Leitfaden unter folgenden Links zugreifen:

https://investitionsrechner-i40.vdma.org/

Leitfaden „Investitionsrechnung für Digitalisierungsprojekte und Industrie 4.0 Vorhaben“
 


Workshops und Veranstaltungen geben zusätzliche Hilfestellung

Begleitend gibt es ergänzend zum Investitionsrechner 4.0 eine Workshopreihe und ERFAs in den Landes- und Fachverbänden, zu denen wir Sie herzlich einladen. Sie finden die aktuellen Veranstaltungen in der Veranstaltungsübersicht.

Das Maschinenbau-Institut bietet hierzu auch Inhouse-Workshops.